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Wasserstoffbusse für Wien

4.6.2024

Die Wiener Linien arbeiten mit Hochdruck an der Dekarbonisierung ihrer Busflotte. Dabei setzen sie neben der E-Mobilität auch auf die Wasserstofftechnologie.

Aus einer europaweiten Ausschreibung für H2-Busse ging der portugiesische Hersteller CaetanoBus gemeinsam mit Toyota als Bestbieter hervor. Die Wiener Linien erhalten im Laufe des Jahres 2025 zehn Busse des Typs „H2.City Gold“, die mit Brennstoffzellentechnologie von Toyota betrieben werden.

Testfahrten des H2-Busses erfolgreich verlaufen

Wiener-Linien-Geschäftsführerin Gudrun Senk ist mit den Ergebnissen des Testbetriebs zufrieden: „Wir haben in den vergangenen Jahren verschiedene Wasserstoffbusse auf Herz und Nieren getestet, vor allem im Sommer bei großer Hitze und damit unter erschwerten Bedingungen. Denn im Gegensatz zu Elektrobussen, die im Sommer eine größere Reichweite haben als im Winter, sind heiße Bedingungen für H2-Busse herausfordernder. Unser Anspruch ist hoch: Wir wollen die Emissionen reduzieren und gleichzeitig die Qualität des Angebots aufrechterhalten. Der Stadtbus von Caetano hat sich in unseren Tests sehr gut bewährt. Er wird unsere Fahrgäste in Zukunft emissionsfrei, leise und sauber durch die Stadt bringen".

Die zwölf Meter langen, barrierefreie H2-Busse werden ab 2025 auf der Linie 39A zwischen Heiligenstadt und Sievering eingesetzt. Aufgrund der Steigungen, der kurzen Haltestellenabstände und des hohen Fahrgastaufkommens handelt es sich um eine der anspruchsvollsten Linien der Stadt, für die sich Wasserstoffbusse besonders gut eignen.

Erzeugung, Betankung und Service aus einer Hand

In der Busgarage Wien Leopoldau sind ca. 200 Busse stationiert und es gab eine Flüssiggasanlage. Diese wurde stillgelegt und eine H2-Tankstelle in diesen Bereich integriert – ein großer Vorteil, da die bestehende Gasinfrastruktur nur umgebaut werden musste. Aber nicht nur die Tankstelle wurde sicherheitstechnisch an den Betrieb von H2-Bussen angepasst, sondern auch die ehemals für den Flüssiggasbetrieb errichtete technische Prüf- und Werkstatthalle.

Erste Wiener Erzeugungsanlage für grünen Wasserstoff in Betrieb

In Wien-Simmering wurde ein Stück Wiener Energiewende-Geschichte geschrieben: Wien Energie und die Wiener Netze nahmen im April die erste Wiener Erzeugungsanlage für grünen Wasserstoff in Betrieb. Mit einer Leistung von drei Megawatt erzeugt die Elektrolyseanlage täglich bis zu 1.300 Kilogramm grünen Wasserstoff aus Ökostrom. Die Anlage ist ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung der Wasserstoff-Strategie der Wiener Stadtwerke-Gruppe. "Wir haben in Wien große Pläne und setzen sie auch um! Wasserstoff ist für uns ein Zukunftsthema, auf das wir bereits seit langem setzen: Mittlerweile haben wir zwei H2-Tankstellen und stellen eine ganze Buslinie auf Wasserstoff-Antrieb um. Mit der neuen H2-Erzeugungsanlage produzieren wir nun auch grünen Wasserstoff direkt in Wien. Wir zeigen hier einmal mehr, dass wir mit der Wiener Stadtwerke-Gruppe kontinuierlich Klimaschutz-Maßnahmen umsetzen und mit aller Kraft an der Klimaneutralität arbeiten", so Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke anlässlich der Inbetriebnahme.

"Als Wiener Stadtwerke-Gruppe sind wir Vorreiter und bilden die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette ab. Mit unseren Tochterunternehmen Wien Energie, den Wiener Netzen und den Wiener Linien produzieren, vertreiben, speichern und verwenden wir den Wasserstoff. Und das alles komplett regional und klimaneutral", ergänzt Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke.

Grüner Wasserstoff für Mobilität, Industrie und Energie

Die Investitionskosten betrugen rund 10 Millionen Euro. Mit der täglich erzeugten Menge an grünem Wasserstoff können umgerechnet bis zu 60 Wasserstoff-Busse oder -LKWs betankt werden. Verkehrs- und Logistikunternehmen können den grünen Wiener Wasserstoff mit 350 oder 700 bar direkt vor Ort oder bei der zweiten H2-Tankstelle in Wien-Leopoldau tanken.

Die H2-Erzeugungsanlage ist die erste ihrer Art und Größenordnung, mit der direkt in Wien grüner Wasserstoff aus Ökostrom erzeugt wird. "Wir produzieren grünen Wasserstoff in Wien für Wien! Die H2-Erzeugungsanlage ist ein bedeutender Schritt in unserem Klimafahrplan. Grüner Wasserstoff hat viele Anwendungsfelder: Neben der Mobilität können wir den vielversprechenden Energieträger auch im Industriebereich oder in der Energieerzeugung und -speicherung einsetzen. Mit erneuerbarer Energie hergestellt ist grüner Wasserstoff ein Schlüssel für den Erfolg der Energiewende", ist Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber überzeugt.

Industriepartner können ebenfalls Wasserstoff von Wien Energie beziehen. Dazu ist neben der H2-Tankstelle ein eigener Bereich für die Abholung mit Trailern eingerichtet. Die Einspeisung von Wasserstoff in das Wiener Gasnetz ist in Vorbereitung.

Wasser wird in Einzelteile zerlegt

Für die Wasserstoff-Erzeugung in Simmering kommt ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen, wie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft zum Einsatz. Um aus Ökostrom grünen Wasserstoff zu erzeugen, wird Elektrolyse als Verfahren eingesetzt. Bei diesem Verfahren wird Wasser (H2O) in seine Bestandteile zerlegt: Sauerstoff und Wasserstoff. Der freigesetzte Sauerstoff entweicht in die Luft. Der Wasserstoff wird direkt vor Ort verdichtet. Er ist unter hohem Druck sicher und platzsparend lager- und transportierbar.

"Das Betriebsgelände der Wiener Netze in Simmering ist ein idealer Ort, um grünen Wasserstoff zu erzeugen", erklärt Wiener Netze-Geschäftsführer Gerhard Fida. "Die Wiener Netze verfügen über mehr als 100 Jahre Erfahrung im Umgang mit Energie. Das Know-how und die Erfahrung unserer Mitarbeiter*innen tragen dazu bei, dass die Produktion, die Verdichtung und der Transport von Wasserstoff effektiv erfolgt. Wir leiten als Netzbetreiber - auch auf diesem Gebiet - die Zukunft ein!"

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Neben den Wiener Linien tanken auch bereits einige private Logistikunternehmen grünen Wasserstoff an den H2-Tankstellen von Wien Energie, darunter auch IKEA Österreich. Dass grüner Wasserstoff nicht nur im Mobilitätsbereich eingesetzt werden kann, hat Wien Energie bereits im Vorjahr vorgezeigt: Gemeinsam mit Partnern hat der Energieversorger im Kraftwerk Donaustadt im Rahmen eines Betriebsversuchs Wasserstoff zum Erdgas beigemischt. Der Versuch war der weltweit erste dieser Art in einem in Betrieb befindlichen Kraftwerk dieser Größenordnung. Das Potenzial dieses Einsatzgebietes ist groß: Allein mit 15 Prozent Wasserstoff-Beimischung könnten jedes Jahr 33.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft in der Ostregion

Die Wiener Stadtwerke-Gruppe treibt gemeinsam die Nutzung von grünem Wasserstoff voran. 2021 hat der Konzern mit einer eigenen Wasserstoff-Strategie einen klaren Fahrplan vorgelegt, wie Wien bis 2030 zur zentralen Wasserstoff-Drehscheibe im Osten Österreichs wird. Zur Umsetzung der Strategie und der Anlagen wurde ein Tochterunternehmen von Wien Energie und den Wiener Stadtwerken gegründet, die Wiener Wasserstoff GmbH. Mit Wien Energie, den Wiener Netzen und den Wiener Linien kann die Wiener Stadtwerke-Gruppe die gesamte Wertschöpfungskette abbilden: Von der Produktion über die Verteilung und Speicherung bis zur Nutzung von H2.

Um den Aufbau der Wasserstoff-Wirtschaft in der Ostregion ganzheitlich zu denken und koordiniert zu entwickeln, ist Wien Energie auch führend im Wasserstoff-Innovationsprojekt "H2REAL" gemeinsam mit zahlreichen weiteren Partnern aktiv. Das Ziel des Projekts: In der Region Ostösterreich Wasserstofftechnologien und -anwendungen weiterzuentwickeln und deren optimale Zusammenarbeit zu realisieren. Auch die Wasserstoff-Erzeugungsanlage in Wien-Simmering wurde im Rahmen dieses Projekts begleitet und gefördert.

Eckdaten der Wasserstoff-Erzeugungsanlage Simmering

  • Standort: Campus Wiener Netze, Wien-Simmering
  • Leistung: 3 Megawatt
  • Eingesetzte Technologie: PEM-Elektrolyse (Protonenaustausch-Membran)
  • Erzeugungsmengen: rund 54 Kilogramm grüner Wasserstoff pro Stunde - bis zu 1.300 Kilogramm pro Tag
  • Wasserstoff-Tankstelle vor Ort: 350 bar Zapfsäule und 700 bar Zapfsäule
  • Investitionsvolumen: rund 10 Millionen Euro. Das Projekt wurde aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms "Vorzeigeregion Energie" durchgeführt.
  • Baustart: November 2022
  • Inbetriebnahme: April 2024

Quelle: Wien Energie

 

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